(Krebshagen/Wendthagen-Ehlen) Endlich konnte sie aufgestellt werden, die neue Bank. Sie steht in der Mitte des Jahrhunderte alten schmalen und idyllisch am Bachlauf gelegenen, etwa 1500 Meter langen Weges von der Krebshäger Mühle bis zum Kohlenweg in Wendthagen-Ehlen.
An diesem alten Weg standen über Jahrzehnte bis zum Jahre 2019 drei Holzbänke an landschaftlich schönen Punkten mit wunderbarer Aussicht auf den Nordhang des Bückeberges. Dieses kurze Stück Weg war und ist für Stadthagen eines seiner touristischen Highlights, zumal dieser Weg ab dem Jahre 2005 eine kurze Etappe des 290 km langen Pilgerweges Loccum-Volkenroda wurde, der von vielen Pilgern aus Nah und Fern genutzt wird.


Die Bänke wurden langsam marode und da sich in den Unterlagen der Stadt Stadthagen keine schriftliche Genehmigung zu deren Aufstellung fand (wie auch), wurden sie ob der möglichen Schadensersatzansprüche bei eventuellen Unfällen sicherheitshalber durch den Bauhof abgeholt und wohl auch „entsorgt“.
Ulrike Koller, stellvertretende Bürgermeisterin von Stadthagen und damals auch Ortsbürgermeisterin von Wendthagen-Ehlen, erfuhr von der Abholung Ende 2019 auf einer Besprechung der Stadt Stadthagen mit den Ortsvorstehern bzw. der Ortsbürgermeister der Stadthäger Ortsteile. Mitgeteilt wurde ihr auch, dass das Land Niedersachsen keine neue Aufstellung von Bänken wünsche. Das konnte und wollte sie sich nicht vorstellen. Auch nicht, dass es nach vielem bürokratischen „hin und her“ ganze fünf Jahre dauern würde, bis sie selbst am 19.11.2024 eine schriftliche Genehmigung vom zuständigen Unterhaltungsverband UHV 53, West- & Südaue, erhielt.

Da ihr diese ausstehende schriftliche Genehmigung schon 2023 bekannt war, hatte sie vorab die Sparkasse Schaumburg, vertreten durch ihren stellvertretenden Marktbereichsleiter Fabian Grote, als Sponsor für eine Bank gewinnen können. Diese Bank fertigte meisterlich Dennis Dreyer, Ortsvorsteher aus Krebshagen, an. Er stellte sie zusammen mit dem heutigen Ortsbürgermeister von Wendthagen-Ehlen, Michael Koller, an dem früheren Standort auf.
Der Verkehrsverein Wendthagen mit seiner ersten Vorsitzenden Gabriele Forstner hat zugesagt, sich um den Erhalt der Bank als auch um den Standort zu kümmern, das heißt konkret, die in der Zukunft notwendig werdende Pflege zu übernehmen.

Koller bedankte sich bei den Unterstützern dieses Vorhabens und freut sich, dass durch Beharrlichkeit zumindest schon eine der drei Bänke wieder für die hiesige Bevölkerung und die Pilgerinnen und Pilger als mögliche Ruhestätte und Platz zum Verweilen zur Verfügung steht.
(pr/Fotos: pr)
Geschichtliche Hinweise:
Vor gut 861 Jahren, im Jahr 1163, wurde das Kloster Loccum von Zisterziensern gegründet. Angestoßen wurde die Gründung im Zisterzienserkloster Volkenroda, das selbst im Jahre 1131 gegründet wurde.
Im Jahr 1593 wurde aus dem römisch-katholischen Kloster in Loccum ein evangelisch-lutherisches. Aus einem Kloster mit Mönchen entwickelte sich daher im Laufe der Geschichte das jetzt älteste Predigerseminar der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.
Das inzwischen verlassene und in der Bausubstanz marode Kloster Volkenroda wurde im Jahr 1994 von der ökumenischen Kommunität „Jesus-Bruderschaft“ erworben. Diese stellte die alten Anlagen wieder her. Im Jahr 2005 übernahm die Stiftung Volkenroda das Kloster. Zeitgleich wurde der 290 Kilometer lange Pilgerweg zum ehemaligen „Außenstellenkloster“ in Loccum gegründet und erfreut sich seither großer Beliebtheit. Er ermöglicht den heutigen Pilgern über lange Strecken auf den Wegen und Pfaden der Jahre 1162 und 1163 zu wandern. Das ist in etwa der gleiche Weg, den Gründungsmönche des Klosters Loccum – von Volkenrode kommend- vor rund 861 Jahren und später gegangen sind.
Der Pilgerweg führt auf einer Länge von rund 290 km, aufgeteilt in 18 Tagesetappen, vom Kloster Loccum zum Kloster Volkenroda in Thüringen. Drei Viertel der Wegstrecke führen durch Niedersachsen, ein Viertel durch Thüringen. Die zweite Etappe von Stadthagen nach Rehren ist 19 km lang. Sie führt dabei auf einen Jahrhunderte alten schmalen, idyllisch gelegenen Weg auch zweieinhalb Kilometern durch die Stadthäger Ortsteile Krebshagen und Wendthagen-Ehlen, und zwar von der Krebshäger Mühle bis zur Rogate Kirche in Wendthagen (wo die Pilger übernachten und sich ausruhen können). Dieser Weg führt zum großen Teil am Bachlauf des Krummen Baches, so heißt der Bach in der Kernstadt Stadthagen, historisch richtig „Krebshäger Mühlenbach“, bis zum Wendthäger Kohlenweg.
Stadthagen wurde übrigens erst im Jahr 1222, Ehlen im Jahr 1203 und Wendthagen im Jahr 1234 besiedelt.




