(Luhden) Rüdiger Schmidt ist jemand, den mal getrost als „Hans Dampf in allen Gassen“ gezeichnet kann.
Denn als Ehrenamtler hat Schmidt sich in verschiedenen Positionen, im mehreren Gesellschaftsbereichen, und vor allen Dingen viele Jahre lang in den Dienst der Gemeinschaft gestellt. Dieses außerordentliche Engagement für die Gesellschaft wurde nun gewürdigt: Rüdiger Schmidt hat von Landrat Jörg Farr das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht bekommen.

„So etwas passiert nicht alle Tage. Das war schon ein sehr emotionaler und rührender Moment – vor allen Dingen als der Landrat in seiner Laudatio die vielen Stationen in der Vergangenheit nochmal auflistete und deutlich wurde, mit wie vielen Menschen ich in dieser Zeit zusammenarbeiten durfte. Das macht mich schon stolz und hat, nicht nur mir, doch ein paar kleine Tränen in die Augen getrieben“, blickt Schmidt einen Tag nach der Verleihung auf diesen besonderen Moment in seinem Leben zurück.
Auf dem Küchentisch im heimischen Luhden liegt neben dem im samtausgekleideten Kästchen ruhenden Verdienstkreuz auch die vom Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier unterschriebene Urkunde, die bald in einem schönen Rahmen einen Ehrenplatz im Schmidt’schen Zuhause finden wird. Das eines Tages eine derartige Auszeichnung ihm zuteilwerden würde, damit hat Schmidt nicht gerechnet, als er vor mehr als 20 Jahren in seine ersten Ehrenämter „schlitterte“.

Denn auch eine Prise Zufall spielte hier mit hinein: 2002 wurde Schmidt von seiner Ehefrau, Jutta Hausschild-Schmidt, auf eine Veranstaltung aufmerksam gemacht: Interessierte sollten zusammenkommen, um in Bad Eilsen eine Selbsthilfegruppe für Morbus Bechterew zu gründen. Schmidt als Betroffener ging auf ihr Drängen schließlich hin – und kam mit dem Posten als Gruppensprecher wieder nach Hause.
Auf die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) war er bereits 2000 aufmerksam geworden am Tag der Niedersachsen – als Betroffener wuchs zeitgleich in ihm das Bedürfnis, mehr über die eigene Erkrankung zu erfahren und auch für andere Betroffene die Therapiemöglichkeiten zu verbessern. Ab 2004 hat er Seminare in Rheuma-Patientenschulen gegeben, 2005 wurde er als Nachfolger des damaligen DVMB-Landesvorsitzenden Ernst Weber vorgeschlagen – und schlug ein. Wenn er im kommenden Jahr sein Amt dann schlussendlich niederlegt, hat er 20 Jahre lang die Geschicke des Niedersächsischen Landesverbandes geleitet – seit 2006 übrigens mit eigener Geschäftsstelle direkt in Luhden. Eine umfangreiche und zeitintensive Aufgabe, doch damit war noch lange nicht genug.
Von 2006 bis 2010 hat er in der Selbsthilfekontaktstelle als Schatzmeister fungiert. Ab 2010 bis 2016 übernahm er sogar den stellvertretenden Bundesvorsitz der DVMB – „ich kann halt nicht ‚Nein‘ sagen“, schmunzelt er heute rückblickend – und wurde zudem 2018 in den Vorstand des Rheumanetzwerkes Bad Pyrmont aufgenommen. Und ganz nebenbei wurde er 2016 noch zum ehrenamtlichen Ortsbürgermeister in Luhden gewählt, ein politisches Amt, dass er bis 2019 bekleidete.
Doch das Herzstück seines ehrenamtlichen Engagements war immer die Leitung des DVMB-Landesverbandes, und die hatte es in sich: Rund 40 Gruppen – von Göttingen bis zur See – galt es zu koordinieren. Eine Mammutaufgabe, die Schmidt aber auch immer sehr erfüllt hat. „Das man mit so vielen Menschen zu tun hat, in einem netten Umfeld und mit einer tollen Mannschaft arbeiten darf und zudem noch spannende Bekanntschaften macht, sogar Freundschaften schließt, das motiviert schon sehr und war immer eine Freude“, blickt er zufrieden auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück.
Ein besonderes Highlight war das von ihm und dem Landesverband organisierte Rheumasymposium in Bad Pyrmont 2018 mit hunderten Teilnehmern, hochkarätigen Referenten und Moderatorin Vera Cordes. Die bekannte TV-Persönlichkeit und Schmidt kamen für einen TV-Dreh zusammen – der Kontakt wurde seitdem immer weitergeführt. Erst in diesem Jahr schaute Cordes bei der Mitgliederversammlung in Walsrode vorbei um ein Grußwort zu halten und die Diskussionsmoderation zu übernehmen.
Auch Dr. Anne Fleck – vielen bekannt aus der TV-Sendung „Die Ernährungsdocs“ – drehte einst mit Rüdiger Schmidt und nahm zudem prompt die Einladung als Referentin zum Rheumasymposium an. Zudem bekam Schmidt in seiner Funktion die Gelegenheit, hochrangige Politiker zu treffen – etwa Julia Klöckner und Ursula von der Leyen. „Gerade solche Highlights haben die Motivation hochgehalten und schlichtweg auch Spaß gemacht. Zudem schaffen wir somit natürlich viel mehr Öffentlichkeit für unser Thema“, weiß Schmidt aus Erfahrung.

Doch es gab auch schwere Momente: „Wenn Betroffene uns ihre Geschichte, ihren oft langen Leidensweg erzählten, das war bewegend und meist nicht leicht“. Zudem gab es für den Landesverband auch Herausforderungen: Das Datenschutzgesetz, Krankenhausregularien für Therapeuten, die endlose deutsche Bürokratie und politische Entscheidungen haben den Alltag der Ehrenamtler nicht leichter werden lassen – das hat Schmidt und seine Mitstreiter, wie etwa Stellvertreterin Martina Irrgang, niemals davon abgehalten, für ihre Belange zu kämpfen.
Und dieser Dienst an der Gesellschaft blieb nicht ungesehen – doch dass Schmidt dafür eine so hohe Auszeichnung erhalten würde, war eine große Überraschung. „Vorher war ich gar nicht aufgeregt, aber als der Landrat dann alles vorgetragen hat, hat mich das schon sehr berührt“, gibt er zu. Am 5. April 2025 wird er das Amt des Landesvorsitzenden niederlegen – ein Nachfolger steht bereits parat. „Dann lasse ich die DVMB ruhen – vielleicht helfe ich ab und an nochmal in der Pressearbeit aus und stehe für Fragen zu Verfügung, aber der neue Vorstand soll ruhig seinen eigenen Weg gehen“, sagt Schmidt. Aber ganz die Füße hochlegen, ist so gar nicht sein Ding: „Noch etwas arbeiten nebenbei, weiter im Vorstand des Rheumanetzwerks aktiv sein und ansonsten das Leben genießen – das ist ja eh kurz genug.“
(Text & Foto: nh)




