Bückeburg: „Tag im Zeichen unserer Werte“ bringt Bundeswehr und soziale Institutionen zusammen
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(Bückeburg) Den „Tag der Werte“ gibt es bei der Bundeswehr schon seit längeren und er wird in den verschiedenen Standorten unterschiedlich gestaltet.

Die Bückeburger Soldaten haben in diesem Jahr einen besonderen Weg gewählt und sind in zehn soziale Institutionen ausgeschwärmt, um mit dortigen Akteuren ins Gespräch zu kommen. Dabei konnten beide Seiten wertvolle Erkenntnisse gewinnen.

Die Verantwortlichen haben die besuchten Institutionen gemeinsam mit der Stadt ausgewählt, um möglichst viele Bereiche abzudecken – und das ist gelungen: die Begegnungsstätte, die Seniorenresidenz am Kirschgarten, das Mehrgenerationenhaus, die Flüchtlingsunterkunft in der alten Herderschule, die Türkisch-Islamische Gemeinde, die Grundschule am Harrl, die Lebenshilfe des Paritätischen, die Julianenkita und das Netzwerk*Gleich waren Gesprächspartner, mit denen gemeinsame Projekte umgesetzt und tiefergehende Gespräche geführt wurden. „Viele befassen sich nicht mit der Bundeswehr und wissen nicht, für welche Werte wir stehen. Deswegen ist es wichtig für uns, nach außen signalisieren, dass uns Werte wie Diversität, Gleichberechtigung und religiöse Freiheit ebenso beschäftigen“, erläutert Hauptmann Dennis Teilmanns im Gespräch mit dieser Zeitung.

Soldaten befassen sich mit Gleichstellung

Während mit den Grundschülern gesportelt wurde, mit der Lebenshilfe Freizeitspiele und ein Schlossparkspaziergang umgesetzt wurden, drehte sich das Treffen mit dem Netzwerk*Gleich, das in der Jägerkaserne stattfand, um das Thema Gleichstellung. Insgesamt sieben Angehörige des Kommando Hubschraubers haben daran teilgenommen – weiblich wie männlich. „Das Ziel war, in jeder Projektgruppe ein möglichst heterogenes Bild darzustellen, was die Dienstgradstruktur, Alter, Geschlecht und Abteilungszugehörigkeit angeht“, erläutert Teilmanns.

Nach einer kurzen Einführung durch die Dozentinnen Nadine Nelle, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Schaumburg und Politikerin Sandra Schauer, hat sich rasch eine rege Diskussion entwickelt über alltägliche Problemstellungen von Soldatinnen. Es wurden zahlreiche Beispiele aus dem Dienstalltag genannt, die zum Nachdenken anregen und eine Reflexion ermöglichen. Auch das Thema sexuelle Belästigung – einschließlich sexistischer Sprache und sexualisierter verbaler Gewalt – war Bestandteil der Gespräche.

Kritisch wurden bestehende Vorurteile beleuchtet, insbesondere im Hinblick auf das sogenannte Gender Confidence Gap. Dabei wurden sowohl strukturelle als auch kulturelle und individuelle Mechanismen thematisiert, die im Zusammenhang mit Diversität als Hemmnisse wirken können.

Wertvolle Erkenntnisse für beide Seiten

„Den Angehörigen der Projektgruppe ist in dieser kurzen Zeit die Möglichkeit gegeben worden, sich mit der Sichtweise und den Problemen auseinanderzusetzen, die einzig darauf beruhen, unterschiedliche Geschlechter zu haben. Die Wahrnehmung von Alltagsproblemen fällt im täglichen Dienstbetrieb nicht auf, wenn einem nicht die Gelegenheit gegeben wird, selbst die Perspektive zu wechseln“, resümiert Teilmanns. „Genau dieser Schluss sollte auch für die Führung daraus gezogen werden – einmal die Perspektive der anderen einnehmen, um Probleme zu erkennen, die sonst nicht wahrgenommen werden. Mit dieser Erkenntnis kann der Einsatz von personellen Ressourcen verbessert werden“, ist sich Teilmanns sicher.

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Das Thema Gleichstellung der Frau befände sich im militärischen Kontext weiterhin in einem frühen Entwicklungsstadium und erfordere mehr Aufmerksamkeit durch die übergeordnete Führungsebene, um dauerhaft im Bewusstsein zu bleiben und strukturell verankert zu werden, schlussfolgern die Verantwortlichen.

Gleichstellungsbeauftragte Nadine Nelle und Sandra Schauer sprachen mit den Bundeswehrangehörigen über Gleichstellung und Diversität.

Gute Erfahrungen sollen fortgesetzt werden

Insgesamt haben knapp 70 Angehörige des Kommandos Hubschrauber an den zehn Projekten in und um Bückeburg teilgenommen. Weitere circa 30 Angehörige der zum Kommando Hubschrauber gehörenden Fachgruppe Technisch-Logistisches Management (TLM) haben ein weiteres Projekt in Köln bearbeitet.

Anschließend wurde in einem gemeinsamen Workshop das Erlebte zusammengetragen und evaluiert. Die Verantwortlichen hätten die diesjährige Durchführung des „Tags im Zeichen unserer Werte“ gelobt und die Wertigkeit dieser Veranstaltung gerade im Zuge der Zeitenwende und der gegenseitigen Unterstützung zwischen Bundeswehr und Gesellschaft herausgehoben. Dabei konnte jeder Einzelne für sich besondere Erfahrungen aus diesem Tag mitnehmen: Angefangen von den Schülern der Grundschule, die die Soldaten gar nicht mehr gehen lassen wollten, über Senioren, die dankbar waren, aus ihrem Alltag „herausgerissen“ zu werden und mit jungen Soldaten zu „schäkern“, geistig behinderte Menschen, die in dem Projekt mit so viel Lebensfreude aufgegangen sind, bis hin zu Flüchtlingen, die sich in der kurzen Zeit des Projekts von zurückhaltend zu offen der Bundeswehr gegenüber entwickelt haben.

Und dieser Erfolg soll gerne wiederholt werden: „Der Tag im Zeichen unserer Werte ist grundsätzlich nicht neu, aber in dieser Art und Weise ist er noch nicht durchgeführt worden. Inspiriert wurde ich als Projektleiter von dem Gedanken der gegenseitigen Unterstützung zwischen Bundeswehr und Gesellschaft in Verbindung mit dem Willen, etwas mit dem Tag und der vorhandenen Manpower bewirken zu können“, fällt Teilmanns als Projektbeauftragter ein positives Resümee.

„Nach dem allseits positiven Feedback und Bekenntnis der Führung des Kommando Hubschrauber zu der Art dieser Durchführung bin ich positiv gestimmt, dass es auch in Zukunft einen ähnlich gestalteten Tag im Zeichen unserer Werte geben wird“, stellt er abschließend in Aussicht.

(nh)

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