(Obernwöhren) Wagen heißt gewinnen. So kann der kühne Plan, ein gemeinsames Erntedankfest der Kirchengemeinden Heuerßen und Wendthagen zusammen mit einer Sternfahrt von Traktoreneignern zur Ausstellung sehr alter, alter und neuer Traktoren aus Apelern und Wendthagen-Ehlen auf dem Hof Ahnefeld, verbunden mit einem Grillfest für alle Gemeindemitglieder, genannt werden.
Es kamen aber noch ungeplant drei weitere Highlights dazu. Vor allem spielte aber das entgegen allen Vorhersagen trockene, wenn auch windige Herbstwetter für alle Beteiligten hervorragend mit.
Aber der Reihe nach.
Wie geplant, trafen sich die Treckerfreunde aus Apelern und Wendthagen-Ehlen an den vorab bestimmten Standorten und trafen aus unterschiedlichen Richtungen pünktlich in der Zeit von 10.20 bis 10.30 Uhr nach ihrer Sternfahrt auf dem Hof Ahnefeld ein. Aufgereiht in zwei Reihen präsentierten sie ihre Prachtstücke im Halbrund für die interessierten Anwesenden, und zwar in der Zeit vor und nach dem Erntedankfest.

Die ältesten Traktoren aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren ein FENDT Dieselross F 15, ein HANOMAG R 22, und ein FERGUSON TE 20 mit jeweils 15 bis 27 PS, der Neueste ein erst 2025 zugelassener VALTRA aus der N Serie hat hingegen 200 PS incl. Boost. 16 weitere Traktoren der Marken, Case, Deutz, Eicher, Holder (sowohl als Ein- als auch Zweiachser), John-Deere, John-Deere-Lanz, MB-Truck, McCormick und ein Unimog . Alle bestens von ihren Eigentümern mit Liebe gepflegt und in Schuss gehalten. Das mit den Erntemaschinen zum Erntedank lief also auch nach gewünschtem Plan.
Die Scheune des Ahnfeldschen Hofes war von vielen helfenden Händen beider Kirchengemeinden wunderschön mit Erntekrone und dem Geernteten aus der Region um den aufgebauten Altar geschmückt. Frank Wiegand war für die Tontechnik und das Erklingen der vorher aufgenommenen Kirchenglocken zuständig. Für 180 Gottesdienstbesucher hatten die Helfer Sitzplätze vorgehalten, sie reichten aber bei Weitem nicht. Acht Sitzbänke für jeweils sechs Personen wurden schnellsten zusätzlich aufgestellt und trotzdem: einige Gottesdienstbesucher mussten während des Erntedankes stehend „durchhalten“. Das war nicht geplant, aber trotzdem sehr erfreulich.

Der Posaunenchor Heuerßen war gekonnt für die musikalische Begleitung und Untermalung des Dankfestes zuständig. Singen mussten die Anwesenden dann aber selbst, was sie auch gerne taten.
Gleich zu Beginn überraschte Pastor Dirk Bangert mit den drei zusätzlichen Besonderheiten dieses Vormittags in der Obernwöhrener Scheune: Der Taufe von zwei jungen Erdenbürgern vor seiner Predigt und der Vorstellung einer jungen Vikarin nach seiner Predigt. Vier der gut 20 anwesenden Kinder meldeten sich bei ihm als seine Unterstützer. Drei von ihnen hielten angezündete Kerzen in ihren Händen und stellten sie vor Beginn des Gottesdienstes auf den Altar, das Vierte durfte das erwärmte Wasser in das Taufbecken aus Messing gießen. Würdevoll nach christlicher Liturgie erfolgten dann die beiden Taufen. Zunächst die von Lilly, dann die von Karl – jeweils im Beisein ihrer Geschwister, ihrer Eltern und natürlich ihrer Paten. Besonders Lilly freute sich, als sie das Licht ihrer Taufkerze sah. Karl war bei seiner Taufe eher müde, freute sich nach dem Gottesdienst aber umso mehr über das tolle Geschehen um ihn herum.

„Ich, Du und Gott – eine Dreiecksbeziehung“ so die Grundannahme von Pastor Dirk Bangert zu Beginn seiner Predigt. Weiter seine unverbrüchliche Feststellung, dass Gott wachsen lässt und die Landwirte bzw. wir für das Pflügen, das Säen, die Pflege der Äcker und Wiesen und die Ernte zuständig seien und wir achtsam mit der Natur umgehen müssen um die Schöpfung zu bewahren. Spenden allein sei zwar gut, reiche aber nicht für ein gesellschaftliches Miteinander von Spender und Spendenempfänger auf gleicher Augenhöhe. „Teilen macht reich“ denn „Brot teilen heißt auch das Leben teilen“, so seine weiteren Feststellungen.

Am Ende des Festes stellte er den Anwesenden die neue, erst 25 Jahre alte Vikarin Laura Schwier aus Meerbeck vor. Sie wird in den nächsten zwei Jahren, unterbrochen durch ihre Zeiten im Predigerseminar Loccum, in den beiden Kirchengemeinden tätig sein. Laura Schwier beginnt nach ihrer ersten Zeit in Loccum ihre Tätigkeit schon in November. Sie freue sich sehr auf diese Zeit in den beiden Kirchengemeinden, so die neue Vikarin und erhielt von den Anwesenden einen großen Applaus.

Nach Ende des Festes wurden die Besucher bestens mit Grillwurst, durch die Mitglieder der Kirchenräte selbst gefertigten Salate und natürlich mit Platenkuchen und den jeweils passenden Getränken gegen einen geringen Obolus versorgt.

Die einhellige Feststellung praktisch aller Anwesenden: Erntedank einmal ganz anders als üblich gemeinsam auf einen Bauernhof zu feiern, das hat sich gelohnt und war für alle ein ganz besonderes Erntedankfest.
So oder so ähnlich kann es auch 2026 wieder gefeiert werden. Ideen haben die Kirchenmitglieder genug. Darin war man sich einig.
(pr, Fotos: Bernd Koller)





