Tierische Präventionsarbeit auch ohne Kassenrezept
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(Obernkirchen) „Tiere aktivieren positive Gefühle und reduzieren Stress“, fasste Prof. Dr. Peter Schulte, Leiter des „Länger besser leben“-Instituts der BKK24 und der Hochschule Weserbergland, beim Auftakt-Event der jährlichen Mitmach-Aktion „Herbstgesund“ die eindeutige Studienlage zusammen.

Auch wenn es für Hund, Katze oder Pferd kein Kassenrezept gebe, sei der Umgang mit Tieren für die menschliche Gesundheit beste Präventionsarbeit. So senke das Streicheln von Hunden nachweislich das Stresshormon Cortisol im Blut. Herzfrequenz und Blutdruck sinken, was zu sofortigen Entspannungseffekten führe. Auch Immunsystem und Schlafqualität verbesserten sich Studien zufolge bei Menschen, die einen Hund besitzen. Einen weiteren Effekt hob Schulte, der auch als ärztlicher Psychotherapeut qualifiziert ist, für die mentale Gesundheit hervor: „Tiere lehren uns, sich auch um sich selbst zu kümmern und dass es in Ordnung ist, Streicheleinheiten aktiv einzufordern, wenn wir sie brauchen.“ Außerdem förderten sie gesundheitswirksam soziale Kontakte. „Leute ohne Hund im Park anquatschen – das gilt schon als grenzwertig. Mit Hund dagegen: kein Problem. Sie sind prima Eisbrecher.“

Prof. Dr. Peter Schulte (von rechts) im Gespräch mit Isabell Nowak und Hanna Sanders.

Tiere als Eisbrecher und Brückenbauer

Diese Eigenschaft mache sie sich auch bei ihrer Arbeit zunutze, bestätigte Ergotherapeutin Hanna Sander, die in der Stadthäger Praxis GesundheitsWerk jeden Mittwoch von ihrer Therapiehündin Bea begleitet wird. Vor allem schüchternen Kindern, aber auch Erwachsenen erleichtere das Tier den Übergang in die therapeutische Arbeit. „So ein Hund ist einfach ein Brückenbauer.“ Als Therapiehündin sei Bea einfach da und nehme von sich aus Kontakt auf. Eine offizielle Ausbildung habe das Team zwar gemacht, aber das betreffe hauptsächlich sie als Mensch, erklärte Sander, denn sie müsse die Signale des Hundes richtig deuten. Mitunter könne das so weit gehen, dass sie mit Beas Hilfe die kritische Unterzuckerung eines Patienten rechtzeitig bemerkt habe, berichtete die Ergotherapeutin. Die positive Wirkung von Tieren sei aber nicht auf Hunde beschränkt. So erzählte Sanders von der Bartagame Börti, die im Foyer der Praxis in einem Terrarium lebt. Auch die stattliche Echse spiele häufig eine Rolle als Eisbrecherin.

Wie gesundheitsförderlich Tiere im Einzelfall konkret wirken können, berichtete Isabell Nowak aus eigener Erfahrung. Die Europameisterin im paralympischen Dressurreiten verdankt ihrem Sport ein deutlich selbstbestimmteres Leben. Nach einem schweren Verkehrsunfall war die damalige Polizeibeamtin zunächst halbseitig gelähmt und konnte nicht mehr als 100 Meter gehen. Mit intensivem Reitsport habe sie die Grundmuskulatur ihrer Halswirbelsäule wieder stärken können. „Ich muss aber jeden Tag reiten, sonst stellen sich innerhalb kurzer Zeit die Nervenschmerzen wieder ein“, verdeutlichte die Leistungssportlerin aus Apelern. Um Trotz Handicap Höchstleistungen abzuliefern, habe sie mit ihrem Pferd Siracusa zu einem festen Team zusammenwachsen müssen. Ganz wichtig sei dabei auch die emotionale Seite: „Für mich sind Tiere einfach Seelentröster. Die nehmen einen, wie man ist und holen einen da ab, wo man ist. Und sie bringen einen damit besser durchs Leben.“

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Prof. Dr. Peter Schulte (links) und BKK24-Vorstandsvorsitzender Jörg Nielaczny (von rechts) begrüßten Dressurreiterin Isabell Nowak, Ergotherapeutin Hanna Sanders und deren Therapiehündin Bea.

Jörg Nielaczny, Vorstandsvorsitzender der BKK24 und Gastgeber in der neu gestalteten Lounge der Obernkirchener Krankenkasse, betonte den Wert von Gesundheitsprävention vor allem in Zeiten steigender Gesundheitsausgaben. „Mehr Prävention ist nicht nur systemisch gut, sondern auch für jede und jeden Einzelnen.“ Diverse Studien belegten dies, sodass es nicht an Erkenntnissen mangele, sondern am politischen Willen der Umsteuerung. Ebenso einfach wie wirkungsvoll präventiv etwas für die Gesundheit zu tun, gelingt mit der Aktion „Herbstgesund“, die sich in diesem Jahr der mentalen Gesundheit widmet.

Vier Wochen lang erlernen Teilnehmer in einem Coaching per E-Mail fundierte Methoden, mit denen sich gesunde Gewohnheiten für die Psyche festigen lassen. Die kostenlose Teilnahme ist unabhängig von der Krankenversicherung unter www.bkk24.de/herbstgesund möglich.

(pr/Fotos: pr)

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