(Bückeburg) Ein absolutes Kulturhighlight hat der Bückeburger Kulturverein im Rathaussaal präsentiert:
Show-Urgestein Harald Schmidt hat in einer launigen Talkrunde zusammen mit dem bekannten Opernternor Klaus-Florian Vogt hinter die Kulissen des Opernbetriebes geschaut und die Wagner-Epen seziert. Herausgekommen ist eine humoristische Reise durch den Opernbetrieb, mit hinreißenden Kostproben ausgewählter Stücke durch den stimmgewaltigen Klaus Vogt.
„So große Unterhaltung erwartet uns – noch heute kann kaum einer Harald Schmidt das Wasser reichen“, begrüßte Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe in seiner Funktion als Kulturvereinsvorstand die rund 400 Gäste im Rathaussaal. Auch Bürgermeister Axel Wohlgemuth wünschte viel Vergnügen bei diesem kulturellen „Leckerbissen“. Mit frenetischem Applaus begrüßte das Publikum den Entertainer Harald Schmidt sowie Startenor Klaus-Florian Vogt und den Pianisten Jobst Schneiderat. Die beiden Musiker stimmten sogleich das Publikum mit einer Kostprobe aus „Die Meistersinger“ ein. Ob dieses Wagner-Werk für Anfänger geeignet sei, fragte Schmidt, der sich nach eigener Aussage erst seit wenigen Tagen mit Wagner beschäftige – das Publikum honorierte diese Anmerkung mit wissendem Gelächter.

Vogt machte deutlich: Nein, die Meistersänger ist nichts für den Start in den Wagner-Kosmos. „Es ist beinahe tagfüllend“, wusste Vogt zu berichten. Es sollen wohl schon Menschen erst zum letzten Akt erschienen sein, munkelte Schmidt. Vogt ergänzte, dass bei dieser Oper auffallend oft Türen klappern würden, weil Gäste den Saal verließen – „Sicherlich medizinische Grüne“, konstatierte der Showmaster schmunzelnd.
Heldentenor im Camper
Mit dem erfahrenen Tenor Vogt, der beinahe alle großen Wagner-Rollen bereits gesungen hat, fand Schmidt ein perfektes Gegenüber – im Dialog wurde deutlich, wie unterhaltsam es hinter den Kulissen des Opernbetriebes oft zugehen kann – und wie chaotisch. Vogt ist berufsbedingt mehr auf Reisen als Zuhause – also nimmt er ein kleines Zuhause einfach mit. Denn der Operntenor reist bevorzugt im Camper. Das mag auf den ersten Blick nicht in das Bild des Heldentenores passen, jedoch gestand Schmidt ein: „Wenn ich mir einen Heldentenor wie Siegfried vorstelle, sieht der tatsächlich aus wie du. Doch: Passt ein Heldentenor überhaupt noch ins Stadtbild?“ Sehr wohl, weiß Vogt zu beurteilen, jedoch kommt der Heldentenor heute moderner daher. Mit zwei Stücken aus der Zauberflöte und Lohengrin zeigte Vogt, dass auch die ruhigeren Klänge zu Repertoire gehören. Das Publikum lauschte gebannt – in den Tonpausen konnte man eine Stecknadel fallen hören. Umso lärmender kam der Applaus im Anschluss daher.

Hinter den Kulissen
Doch so organisiert und geregelt der Opernbetrieb auf die Zuschauer oft wirken mag, Stress ist für die Protagonisten an der Tagesordnung. Vogt selbst war am Montag erst aus San Francisco zurückgekehrt, zuvor spielte er noch in Hongkong.
Bei so einem getakteten Pensum ist oft Flexibilität gefragt – vom Künstler selbst, aber auch vom erweiterten Ensemble. So musste bei den Bayreuther Festspielen schon mal getrickst werden, als der Flug Vogts aus Menorca massive Verspätung hatte. Das „Cover – die Zweitbesetzung – sprang ein, erst im zweiten Akt der Oper gab es dann einen fliegenden Wechsel, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch nicht nur der Mensch, auch die Bühnentechnik birgt seine Problemchen: Der Schwan in Lohengrin ist so einer, der öfter mal Schwierigkeiten macht, etwa als Schwan-Roboter, dessen Servolenkung ausfällt und dessen Hals bei der ersten Probe abbricht. Dieses Hintergrundwissen wurde immer wieder aufgebrochen durch ausgewählte, musikalische Kostproben, etwa aus dem zweiten Akt „Parsifals“ – das rang auch dem Showmaster Harald Schmidt höchsten Respekt ab: „Wie du in dieser Nummer aufgehst, das erlebt man nicht alle Tage.“

Nicht immer geht alles glatt, etwa der Speerwurf in Parsifal im dritten Akt, „das wird ab und zu wirklich gefährlich“, berichtete Vogt. „Normalerweise fängt Parsifal diesen – bis auf einmal. Aber da hat der Klingsor auch wirklich schlecht geworfen“, versuchte sich der Tenor an einer Erklärung. Dennoch: Die Schmach des Nicht-Fangens hatte sich bereits innerhalb eines Tages bis nach Hamburg rumgesprochen. „Da muss man als Künstler durch“, konstatierte Schmidt trocken. Wichtig sei ohnehin die optimale Vorbereitung für die darstellenden Künstler, sprich: ausreichend Schlaf und Ruhe, kein zu schweres Essen vor der Vorstellung. „Manche Opern gehen sechs Stunden – da muss man in der Pause auch mal etwas essen“, gab der Tenor einen Blick hinter die Kulissen. Und erst das Texte lernen: Schwere Texte, und davon reichlich, das zeichnet viele Wagner-Werke aus. Da muss tatsächlich gebüffelt werden – Vogt erhält dabei musikalische Schützenhilfe von Jobst Schneiderat.

Alternative Ausgänge für Wagner-Werke
Dabei ist Vogt so in den Wagner-Epen bewandert, dass er durchaus alternative Ausgänge vorschlagen kann: „Hätten die Rheintöchter etwas Küsschen gegeben, wäre der Ring bereits nach zehn Minuten zuende“. Haben Sie aber nicht, und so kann die Tetralogie auch heute noch mehrere Tage füllen. Auch Schmidt hatte inhaltliche Anregungen: „Wäre Elsa in Lohengrin eine moderne Ehefrau gewesen – sie hätte ihn nicht gefragt. Aber sie tut es doch“. „In diesem Moment kippt es jedes Mal“, seufzte Vogt wohlwissend, hat er diese Szene doch etliche Male besungen. Doch selbst dieser tragische Moment brachte auf der Bühne durchaus auch mal Komik hervor. Als Vogt einst engumschlungen mit der Elsa das Liebesduett sang, war von der Regie eigentlich geplant, einen Sarg hochfahren zu lassen. Doch auch hier streikte die Technik, sodass die Partnerin ihm während der engen Umarmung zuraunte: „Das Ding geht nicht hoch“.
„Das lassen wir so stehen“, schmunzelte Schmidt. Nach der Gesangpassage „Höchstes Vertrauen“ konnten alle Anwesenden sich der Aussage Harald Schmidts anschließen: „Wagner ist Musik zum Reinlegen“.
(Text & Fotos: nh)




