(Bückeburg) Ein mehr als deutliches Zeichen gegen rechte Hetze und Diskriminierung haben in Bückeburg mehr als 600 Menschen gesetzt.
Gemeinsam versammelten sie sich zu einer friedlichen Demonstration auf dem Bückeburger Marktplatz, um für die freiheitlichen Grundrechte und die Demokratie einzustehen und ein sichtbares Zeichen zu setzen, wie auch Bürgermeister Axel Wohlgemuth konstatierte. So viele Menschen auf dem Markt zu sehen, die für die Demokratie einstünden, macht den Verwaltungschef froh und zuversichtlich, dennoch „ist es an uns, klar für Menschlichkeit und Toleranz Kante zu zeigen“.

Denn der Verwaltungschef erinnert sich noch zu gut an die Geschehnisse in dem 1990er Jahren, als „beschämende Ereignisse“, wie die Angriffe auf eine Flüchtlingsunterkunft in Rostock die gesamte Nation schockierten. „Sowas darf in Deutschland nicht mehr passieren“, stellt Wohlgemuth heraus. Die Erinnerung an den Holocaust wiege schwer und das Grundgesetz sei auch eine moralische Verpflichtung, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen. „Demokratie ist kein Lieferservice, wir alle müssen wehrhaft sein und standhaft bleiben“.

Wilfried Keusch, Ehrenamtlicher im Bündnis für Familie und dem VfL Bückeburg, berichtete, wie Sport Brücken baue zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen. „Ich gehöre immer zu einem Team und da werden Begriffe wie Fairness spielend erlernt. Ob Kalle oder Sinan, dick oder dünn, jung oder alt, die Gemeinschaft macht Freude. Und gerade diejenigen, die sonst nicht dazugehören, sind besonders engagiert“, weiß Keusch. „Wollen wir nicht versuchen, ein großes, buntes Team zu sein und gleichzeitig Stärke und Verantwortung zeigen?“.

Ibrahima, Geflüchteter und seit 2017 in Deutschland, berichtete über seine Erfahrungen: „Ich habe hier Freunde gefunden, Deutsch gelernt und eine Ausbildung begonnen. Deutschland sucht Fachkräfte, und ich bin einer davon. Dieses Land hat mir eine zweite Heimat gegeben und so möchte auch ich Gutes für dieses Land tun“. Annette Bonorden sprach im Namen der Schaumburger Landfrauen über den Zusammenhang von Säen und Ernten: „Wir wissen, was es für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit braucht, deswegen sind wir entsetzt von der Saat aus Hetze. Jetzt ist die Zeit, des Frieden Willens zu reden. Je mehr sich lebendig beteiligen, desto fruchtbarer wird dieser Protest für die Menschen sein!“

Magnuns Mederacke, Schüler des Gymnasium Adolfinums, sprach für die jüngere Generation: „Die Welt ist im Wandel – das macht Angst. Daher liegt es an uns, Brücken zu bauen, wenn Teile der Gesellschaft ihr hässliches Gesicht zeigen. Demokratie und Zusammenhalt sind keine leeren Worte. Lass uns Schaumburg zu einem Ort machen, wo alle respektiert weren“. Edeltraut Müller, ehemals Bürgermeisterin der Stadt Bückeburg, äußerte offen ihre Sorgen und blickte zurück auf die 1980er Jahre, als Neonazis in Deutschland erstarkten und unter anderem in Rinteln ihren Parteitag abhielten. Schon damals fanden zahlreiche Gegendemonstrationen statt, an denen etliche Bürger teilnahmen. „Es war uns damals klar: Wir müssen die Demokratie immer wieder verteidigen, das ist unser höchstes Gut und Erbe“.

Kreishandwerksmeister und heimischer Unternehmer Dieter Ahrens stellte fest: „Viele Menschen leben in einer Art Blase von irrsinnigen Ideen, alternativen Fakten und oft Lügen. Umso mehr müssen wir unsere Werte und Grundfeste hochhalten“. Pastor Manuel Stübecke bediente sich der Shakespearschen Geschichte über den Prinzen Hamlet, dem bereits im Mittelalter dünkte: „Es ist etwas faul im Staate“. „Wir leben in keiner mittelalterlichen Tragödie – wir leben Demokratie und Toleranz, das ist für uns kein unentdecktes Land oder eine Utopie. Hamlet endet mit: Und der Rest ist Schweigen. Nicht so bei uns – lasst uns über Demokratie nicht schweigen“. Schweigen wollen auch die Bückeburger Politiker nicht – SPD-Fraktionsvorsitzende Sandra Schauer sprach für sie stellvertretend und mahnte an, dass kaum noch kontroverse Debatten geführt werden könnten. „Der Ton ist rauer geworden, die eigene Meinung die einzig wahre. Wir müssen aufeinander zugehen und uns zuhören. Demokratie lebt vom Zuhören, von Diskutieren, andere Meinungen zu akzeptieren und bestenfalls einen Kompromis zu finden“.

(Text & Fotos: nh)




