(Bückeburg) Insgesamt acht Mal in den vergangenen 20 Jahren traf die Stadt Bückeburg ein sogenanntes Starkregenereignis. Diese besondere Wetterkapriole bringt unglaublich große Massen an Wasser in kürzester Zeit mit sich – die Folge sind oft Sturzfluten durch Straßen, Überschwemmungen und große Schäden, im schlimmsten Falle auch Gefahr für Leib und Leben.
In Zusammenarbeit mit dem Büro Weber Ingenieure hat die Stadt Bückeburg nun in einem umfangreichen Prozess eine Starkregengefahrenkarte erstellen lassen und macht zugleich Maßnahmen für den öffentlichen als auch privaten Raum zugänglich, um sich für derartige Ereignisse zu wappnen.
„Bei diesen Ereignissen, an denen binnen weniger Minuten oder Stunden sehr viel Wasser vom Himmel kommt, sind oft Orte betroffen, die abseits von Gewässern liegen“, erklärt Bürgermeister Axel Wohlgemuth einleitend bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse. Daher seien die meisten Menschen auch nicht adäquat auf ein derartiges Ereignis vorbereitet – dabei kann jeder privat an seinen Gebäuden entsprechende Maßnahmen ergreifen. Darüber informierte an diesem Abend die Firma Aquafence sowie die kommunale Umweltaktion UAN. Doch vor allen Dingen kann auch die Stadt nun, mit dem Wissen um Problemgebiete und mögliche Szenarien, passende, oft bauliche Maßnahmen erreichen – „wenn sie im Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen“, wie Fachgebietsleiter Björn Sassenberg hinzufügt.

Barbara Werth, Ingenieurin beim Planungsbüro Weber, erläuterte den rund 30 Interessierten die Untersuchungsergebnisse. Dabei sei zunächst eine Unterscheidung von Gewässerhochwassern zu den eigentlichen Starkregenereignissen notwendig- Denn letztere können räumlich stark begrenzt sein und treten plötzlich, auch abseits von Gewässern, auf. „Starkregen ist auch als die urbane Sturzflut bekannt“, erläutert Werth. Derartige Ereignisse hätten kaum Vorwarnzeiten seien unberechenbar: „Wenn überhaupt, dann schafft es der Wetterdienst vielleicht eine Stunde vorher zu sagen, wo der Regen runterkommt“. Umso wichtiger sie daher, dass diese Thematik öffentlich diskutiert und darüber aufgeklärt werde. „Es kann wirklich jeden treffen – ob flache Gebiete oder Hanglagen“.
Acht Mal konnten für Bückeburg in den vergangenen 20 Jahren derartige Vorkommnisse dokumentiert werden – Grund genug, das Starkregenrisikomanagement anzugehen. Primär geht es um die Vorbereitung, „damit Sie wissen, was im Fall des Falles zu tun ist, etwa bei einem überschwemmten Keller nicht hinunterzugehen, da Stromschlaggefahr herrscht oder nicht in überflutete Überführungen zu fahren, um nicht stecken zu bleiben“, so Werth. Durch dieses Projekt sollen die Bürger sensibilisiert werden und diese Informationen als lebendige Multiplikatoren weitertragen. So können die Bürger Privathäuser sicherer vor Starkregenereignissen machen. „Doch dieses Management ist auch eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe“, stellte Werth heraus.

Mit der Aufstellung der Gefahrenkarte können die Erkenntnisse genutzt werden für weitere Stadtplanungen sowie vorbereitende Schutzmaßnahmen. Generell werden Starkregenereignisse mit einem Index von 1 bis 12 bewertet – wobei ab Wert 8 von extrem starken Ereignissen die Rede ist. Dabei wurde bei der Untersuchung nicht nur das 68,8 Quadratkilometer große Stadtgebiet, sondern auch das Umland betrachtet, sodass die Untersuchung sich insgesamt mit einem 173 Quadratkilometer großen Gebiet beschäftigte. Denn auch aus den umliegenden Bereichen können Wassermassen nach Bückeburg fließen. „Das Wasser macht nicht an der Landes- oder Stadtgrenze Halt“, weiß Sassenberg. Bei Überschwemmungen sind die Grundstückseigentümer für das Wasser auf ihrem Grund zuständig, die Kommune kümmert sich um die schadensfreie Ableitung aus dem öffentlichen Raum.

Wichtige Erkenntnisse aus der Untersuchung, der unter anderem auch eine Hot-Spot-Analyse an zehn Orten in Bückeburg vorausging, sind das Wissen um die Überlastung des Regenwasserkanals sowie um die Überforderung der Einlaufinfrastruktur des Kanalsystems, was zu einem Versagen der vorhandenen Anlagen führen kann. Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzes vor Starkregenereignisse kann unter anderem die Schaffung eines „Notwasserweges“ sein, der für mehr Durchgängigkeit der Wassermassen und ein schnelleres Abfließen sorgt. Eine derartige Situation finde sich beispielsweise in der Bergmannstraße vor. Mit einer multifunktionalen Flächennutzung, etwa von Wiesen und Sportplätzen zur gezielten Flutung dieser Areale, beispielsweise im Gebiet der Graf-Wilhelm-Schule, lassen sich etwa größere Gebäudeschäden vermeiden und diese extremen Ereignisse abpuffern.
Das Vorhalten von Rückhalteräumen an Gewässern als Zwischenspeicher ist ebenfalls eine ratsame Maßnahme. Die Stadt werde diese Erkenntnisse beispielsweise bei künftigen Bauleitplanungen berücksichtigen. Doch auch die Bürger selbst haben nun die Möglichkeit, die erstellten Gefahrenkarten mit den drei Szenarien online detailliert einzusehen, auf ihr eigenes Haus zu zoomen und eine Selbsteinschätzung per (Online-)Fragebogen vorzunehmen. Auf der Homepage der Stadt finden sich unter dem Stickwort „Starkregen“ die Gefahrenkarten sowie zusätzliches Informationsmaterial, um sich bestmöglich auf etwaige Starkregenereignisse vorzubereiten.
(Text & Fotos: nh)




