(Bückeburg) Wer in Bückeburg lebt, kommt an Hubschraubern schlichtweg nicht vorbei.
Sie sind quasi überall – schauen aus dem Hubschraubermuseum hinaus über Bückeburgs Mitte, thronen an markanten Stellen als Ausstellungsstücke und natürlich, fliegen sie stetig über die Häuser der Bückeburger. Das alles hat einen guten Grund: Seit Jahrzehnten werden in Bückeburg die Heeresflieger ausgebildet, mit der Schaffung des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums hat sich dieser Standort zukunftsweisend und breit aufgestellt.
Oberst Bodo Schütte referiert vor Seniorenunion über die Arbeit am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums
Oberst Bodo Schütte als Stellvertretender Kommandeur am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum gewährte den Mitgliedern und Gästen der Seniorenunion einen umfassenden Einblick in die Strukturen des Kommandos Hubschrauber, die Ausbildung in Bückeburg sowie wachsende Herausforderungen in der Zukunft.

Neue Herausforderungen
Unter dem Titel „Wir gehören alle zusammen“ war Schütte auf Einladung des Vorsitzenden Dr. Thorwald Hey versucht, mehr Einsicht in und Verständnis für die Arbeit am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums zu schaffen. Das Verhältnis zwischen den Streitkräften und der Bevölkerung sei nicht immer spannungsfrei gewesen, entwickle sich jedoch positiv und sei weiter ausbaufähig. Die sich ändernden Aufgaben weg von der schlichten Landesverteidigung hin zu zivilen Einsätzen, etwa im Katastrophenschutz, hätten dazu beigetragen, die Arbeit der Streitkräfte neu zu bewerten.
Auch mit dem Krieg in der Ukraine sei die Wehrfähigkeit Deutschland sowie die Ausstattung der Bundeswehr wieder in den öffentlichen Fokus gesetzt werden. „Die Lehre daraus? Ausrüstung und Infrastruktur müssen da sein und funktionieren“. Dafür braucht es nicht nur Material, im Fall der Heeresflieger als Hubschrauber, sondern auch Hangars und Flugplätze. Im Einsatz jedoch könne auf letzteres nicht immer gesetzt werden, daher müssen die Streitkräfte auch auf diese Bedingungen vorbereitet werden, um voll kriegstüchtig zu sein. Das Kommando Hubschrauber ist hierbei noch recht jung und hat mit seiner Etablierung den Bestand der Jägerkaserne gesichert. Unter anderem werde durch das Kommando der Kampf um die raren Flugstunden gemeinschaftlich organisiert.

Internationale Ausbildung in Bückeburg
Unter der Führung von Oberst Thomas Nikolai wird am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum die Grundausbildung der Heeresflieger, aber auch von niederländischen, schwedischen und dänischen Einheiten durchgeführt. „Alle Heeresflieger sollen hier in Bückeburg ausgebildet werden“, erklärt Schütte. Dazu gehört die Hubschraubergrundausbildung als auch die spätere Professionalisierung samt Mustereinsatz. „Wir sind auf einem gedeihlichen Weg“, resümiert Schütte daher.
Am 18. November kommen die neuen Airbus-Kampfhubschrauber, zehn Stück an der Zahl. Somit erhöht sich das Kontingent in Bückeburg auf 23 Hubschrauber. Jedoch dient der neue Drehflügler nur als Brückenlösung: Bis 2032 sollen alle Tiger-Kampfhubschrauber außer Dienst gestellt werden, was darauf folgt ist jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar. Mit insgesamt 81 Hubschraubern im Portfolio können die Streitkräfte aktuell die Anforderungen der NATO erfüllen, konstatiert Schütte, „jedoch nur ein Stück weit. Wir werden wohl noch welche beschaffen müssen“. Welche das sein werden, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht klar – „vielleicht fliegen wir in 15 Jahren auch nur noch mit Drohnen und unbemannten Hubschraubern“, stellt er in Aussicht. Für ihn gilt: „Je komplizierter der Einsatz, desto lieber habe ich einen Menschen im Cockpit. Je gefährlicher jedoch der Einsatz, desto weniger gern habe ich dort jemanden darin“.
Langwierige und schwierige Ausbildung
Um eben auch diese kniffligen Situationen zu meistern, wird den angehenden Heeresfliegern innerhalb ihrer Offiziersausbildung viel abverlangt. Unter anderen haben sie ein Studium zu absolvieren, ebenso die anschließenden Lehrgänge. Nach rund sieben Jahren haben sie dies abgeschlossen, sind aber noch lange keine Einsatzpiloten. Es folgt die umfassende Hubschrauberführerausbildung.
„Auch wenn sich viele oft fragen, ob der viele Lärm notwendig ist – wir bilden inzwischen zu 50 Prozent am Simulator aus und es wird immer mehr. Zudem werden nicht immer die gleichen Strecken geflogen, „wir fliegen nicht immer aus Boshaftigkeit über das gleiche Haus“, versichert Schütte. Dadurch, dass die Ausbildungsgänge versetzt starten würden, fänden auch die Ausbildungsflüge versetzt statt. So ist quasi immer was am Himmel über Bückeburg los – und auch militärische Nachtflüge gehören dazu. „Es wird versucht, die Belastung so gering wie möglich zu halten“, verspricht der Oberst.
Infrastruktur muss wieder her
Perspektivisch sieht Schütte zumindest die Personalsituation gerettet. Aus Auswahlverfahren wurde etwas gelockert und mehr Inhalte, die zuvor bereits vorausgesetzt wurden, nun innerhalb der Ausbildung vermittelt. Jedoch macht der Mangel an Infrastruktur sorge. „Innerhalb der Friedensdividende wurde alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war – Depot, Kasernen und so weiter. Das können wir jedoch nicht eigenhändig wieder aufbauen, das unterliegt der Bauverwaltung. Zudem sind mehr Rüstungsanschaffungen nötig“, ist sich der Brigadegeneral sicher. Seniorenunion-Vorsitzender Thorwald Hey dankte für den interessanten Vortrag , der mehr Verständnis für die Bundeswehr und die „Belästigungen“ durch die Hubschrauber schaffen sollte, und appellierte an die Anwesenden: „Das ist das Geräusch des Friedens, das können Sie beruhigt genießen“.
(Text & Foto: nh)





