(Bückeburg) Es ist nicht nur gute Tradition, dass seit mehr als 15 Jahren zu Jahresbeginn die Volksbank in Schaumburg und Nienburg, die Kreishandwerkerschaft Niedersachsen Mitte und der Steuerberaterverbund Niedersachsen Sachsen-Anhalt zum geselligen und launigen Neujahrempfang in den großen Rathaussaal in Bückeburg einladen.
Dazu gehört auch, dass zu diesem Anlass ein sowohl interessanter und informativer, als auch unterhaltsamer Gastredner die Bühne entert, um die Anwesenden zu unterhalten, zu erstaunen und zu begeistern. Alle drei Aspekte hat der diesjährige Gastredner mit Bravour abgedeckt: Gedächtnissport-Weltmeister Dr. Boris Nikolai Konrad zeigte den geladenen Gästen, was so in einem jeden Gehirn steckt und wie viel es eigentlich leisten kann.
So manch einer wird das Gesicht Konrads erkannt haben, glänze er bereits im TV bei „Wetten dass“ und „Die Superhirne“. Als amtierender Gedächtnissport-Weltmeister, Rekordhalter und nebenbei auch Wissenschaftler ist er stets unterwegs, um die Menschen mit Höchstleistungen der grauen Zellen zu beeindrucken. Zwar scheine das Gedächtnis der Menschen immer schlechter zu werden, wundert sich Konrad, anders sei es schlichtweg nicht zu erklären, dass so viele sich den Namen ihres Partners tätowieren lassen, dennoch habe er die Hoffnung nicht aufgegeben, den Menschen etwas über das Gedächtnis beizubringen – und das gelte vor allen Dingen aktuell für die Menschen im Saal. Während das Gedächtnistraining hierzulande etwas stiefmütterlich behandelt wird – zu seinem Weltmeistertitel gab es keinen großen Empfang am Flughafen – hat dieser Sport in Asien etwa einen großen Stellenwert. Die Vizeweltmeister aus den Philippinen wurden anschließend wie bei einem Staatsempfang in der Heimat willkommen geheißen.

Neurowissenschaftler und Gedächtnisweltmeister Dr. Boris Nikolai Konrad referiert über geistige Höchstleistungen und wie jeder diese vollbringen kann
Doch Konrad möchte das ändern und das Gedächtnistraining auch hierzulande populärer machen. Dafür vollführt er ein beeindruckendes Kunststück: Innerhalb von einer Minute und 24 Sekunden schafft er es, sich nahezu fehlerfrei die Reihenfolge eines gesamten Kartenspiels zu merken. Das Publikum zeigt sich sichtlich beeindruckt – noch mehr, als Konrad glaubhaft versichert, dass alle Anwesenden zu solcher Leistung imstande wären.
Wer es nicht glaubt, wird sofort von ihm in die folgende Aktion miteinbezogen: Dank eines vorher definierten Weges entlang des Körpers und Stichwörtern, die mit Bildern und an den vorher ausgemachten Wegmarken gekoppelt werden, schaffen es alle Anwesenden tatsächlich, sich innerhalb kurzer Zeit 20 Begriffe in der richtigen Reihenfolge zu merken. „Und ganz nebenbei haben Sie gerade die größten Metropolen Europas gelernt“ – tatsächlich, anhand der Wortkombinationen lassen sich Eselsbrücken zu eben jenen Städten bilden. Das vorgeführte Prinzip funktioniert mit allen Begriffen und Bildern, sofern der Agierende einen direkten Bezug dazu herstellen kann. Um sich das erlernte zu merken, helfen Wiederholungen. Und gar nicht mal so viele. Konrad versichert: Wer dies rund fünf Mal wiederholt – am selben Tag, nach einem Tag, einer Woche, einem Monat und einem halben Jahr – wird diese Informationen auch später immer wieder abrufen können.

Denn das Gehirn ist eine wahre Wunderwaffe, die sich auch direkt steuern lässt. Die Amygdala fungiert bei Stressreaktionen als „Panikzentrum“ – das ermöglicht den Menschen, schnell zu reagieren, ohne groß nachzudenken. Das half den Menschen in Urzeiten zu überleben, ist aber in der modernen Welt manchmal hinderlich. In einem Kernspintomografen werden entsprechende Hirnströme beobachtet und gezielt mit Aufgaben aktiviert, um das Zusammenspiel verschiedener Nervenzellen und Hirnareale besser zu erforschen.
Auch Informationswahrnehmung und Verarbeitung können trainiert werden – wenn man denn weiß, wie. Mit der erwähnten Routenmethode als Werkzeug etwa lassen sich schnell neue Hirnverbindungen herstellen, die sich gleich im Langzeitgedächtnis verankern. Dabei betont Konrad, dass der Lerneffekt der Wiederholung nur funktioniere, wenn sich aktiv selbst erinnert, nicht nur nachgelesen, werde.
„Sie können selbst entscheiden, was Sie langfristig in den Kopf bekommen. Die moderne Technik ist schön und gut, aber wir sollten dennoch unseren eigenen Kopf herausfordern. Sie haben ein Superhirn, nutzen Sie es!“.
(Text & Foto: nh)




